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Hintergrund

Entwicklung

Beeindruckend hat die UKPDS gezeigt, welch erhebliche Wirkung eine rein diätetische Therapie des Typ-2-Diabetes hat: in der run-in-Phase der UKPDS wurden 5.102 Patienten zunächst allein mit dem Ziel einer Gewichtsreduktion behandelt: es kam mit einer Verringerung des Körpergewichts von fast 4 Kilogramm zu einem Absinken des HbA1c-Messwertes um fast 2 Prozent (UKPDS, Turner et al., Lancet 1998).

Das ZI-Programm wurde von der Arbeitsgruppe Prof. Michael Berger (Düsseldorf) gemeinsam mit der Arbeitsgruppe des Krankenhauses München-Schwabing (Prof. Standl) entwickelt. Initial ist die Schulung des Patienten zu Gewichtsreduktion, Selbstkontrollmessungen und fachgerechter Fußpflege unbestritten die wichtigste primäre therapeutische Maßnahme bei Patienten mit Typ-2-Diabetes. Regelmäßig werden die Inhalte des Programms in Neuauflagen den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst. Hierbei werden die Autoren von einem Fachbeirat unterstützt.

Abrechnung

Mit Wirkung zum 1. Juli 1991 wurde erstmals eine Vergütung für die Durchführung des Programms bei Patienten mit Diabetes mellitus ohne Insulintherapie geschaffen. Voraussetzung zur Abrechnung ist die Teilnahme an einem Fortbildungsseminar. Die Fortbildung von Ärzten und Schulungskräften zum Erwerb der Qualifikation zur Abrechnung war bisher die weltweit größte Fortbildungsaktion. Bis heute haben ca. 20.000 Praxen in Deutschland an den Fortbildungsseminaren teilgenommen. Die Fortbildungsseminare werden von Teams mit besonderer Erfahrung in der Diabetes-Schulung (Ärzte und Diabetesberaterinnen) im Auftrag der Kassenärztlichen Vereinigungen durchgeführt. In der Abrechnungshäufigkeit bestehen erhebliche regionale Unterschiede. Besonders intensiv erfolgt die Nutzung dort, wo lokale Diabetologen das Programm auf Fortbildungen ansprechen, Folgeveranstaltungen durchführen und in denen Diabetesberaterinnen den Kontakt zu Schulungskräften pflegen. Neben der Vergütung des Programms wird auch das Patienten-Verbrauchsmaterial zum Programm von den Kostenträgern erstattet. Dass die besonderen Aufwendungen für die Schulung Eingang in die Honorierung der Vertragsärzte fanden, war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, an dessen Gelingen auch Prof. Dr. Willms und Prof. Dr. Henrichs als Vorsitzende des zuständigen Ausschusses der Fachgesellschaft wesentlichen Anteil hatten. Weltweit erstmals ist es so gelungen, strukturierte Schulungen für Menschen mit Diabetes als ärztliche Leistung zu vergüten.

Im DMP erfolgt die Abrechnung auf Grundlage der entsprechenden regionalen Vereinbarungen zwischen Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen.

Evaluation

In Evaluationsstudien zeigte sich die Effektivität des Programms. Das Therapie- und Schulungsprogramm wurde in mehrere Sprachen übersetzt und den Lebensgewohnheiten entsprechen angepasst (Französisch, Flämisch, Schwedisch, Norwegisch, Chinesisch, Thai, Indonesisch, Spanisch, Türkisch sowie Englisch für Süd-Afrika). Entsprechende Evaluationsstudien zu dem Programm wurden von Pieber in Graz, von Ersanli in Istanbul und von Gargliardinio in La Plata publiziert. Die Studie von Svetkey et al. konnte zeigen, dass die Gewichtsreduktion sehr erfolgreich aufrecht erhalten werden konnte.

Referenzen

Kronsbein P, Joergens V, Muehlhauser I, Scholz V, Venhaus A, Berger M: Evaluation of a structured treatment and teaching programme of non-insulin-dependent diabetes. Lancet ii 1988; 1407-1411

Gruesser M, Bott U, Ellermann P, Kronsbein P, Joergens V: Evaluation of a structured treatment and teaching program for non-insulin-treated type 2 diabetic outpatients in Germany after the nationwide introduction of reimbursement policy for physicians. Diabetes Care 1993, 16; 1268-1275

Pieber TR, Holler A, Siebenhofer A, Brunner GA, Semlitsch B, Schattenberg S, Zapotoczky H, Rainer W, Krejs GJ: Evaluation of a structured teaching and treatment programme for type 2 diabetes in general practice in a rural area of Austria. Diabet Med. 1995; 12(4): 349-54

Gagliardino JJ, Etchegoyen G. A model educational program for people with type 2 diabetes: a cooperative Latin American implementation study (PEDNID-LA). Diabetes Care. 2001; 24(6): 1001-7

Svetkey LP, Stevens VJ, Brantley PJ, Appel LJ, Hollis JF, Loria CM, Vollmer WM, Gullion CM, Funk K; Smith P; Samuel-Hodge C, Myers V, Lien LF, Laferriere D; Kennedy B, Jerome GJ, Heinith F; Harsha DW, Evans P; Erlinger TP, Dalcin AT; Coughlin J, Charleston J; Champagne CM, Bauck A; Ard JD, Aicher K for the Weight Loss Maintenance Collaborative Research Group: Comparison of Strategies for Sustaining Weight Loss. The Weight Loss Maintenance Randomized Controlled Trial JAMA. 2008;299(10):1139-1148.

Nicolle Müller, Daniela Stengel, Christof Kloos, Michael Ristow, Gunter Wolf, and Ulrich A Müller: Improvement of HbA1c and stable weight loss 2 years after an outpatient treatment and teaching program for patients with type 2 diabetes without insulin therapy based on urine glucose self-monitoring, Int J Gen Med. 2012; 5: 241–247.
Published online 2012 March 13. Quelle: 10.2147/IJGM.S28505
PMCID: PMC3325012

Müller N, Kämmerer K, Kloos C, Wolf G, Müller UA (2015) Postprandial self-monitoring of urine glucose reflects glycaemic control in people with relatively well controlled Type 2 diabetes mellitus not treated with insulin: a retrospective cohort study. Diabet Med 32:958-62

Müller, N, Khunti K, Kuss O, Lindblad U, Nolan JJ, Rutten G, Trento M, Porta M, Roth J, Charpentier G, Jörgens V, Müller UA (2017) Is there evidence of potential overtreatment of glycaemia in elderly people with type 2 diabetes? Data from the GUIDANCE study. Acta Diabetol 54:209-214

Autoren

Dr. med. Monika Grüßer und Dr. med. Viktor Jörgens sind seit vielen Jahren in der Entwicklung und Einführung strukturierter Patientenprogramme tätig. Sie führten dies an der Universität Düsseldorf (Lehrstuhl für Stoffwechselkrankheiten und Ernährung, Prof. Dr. med. Dres. h.c. M. Berger) und später in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung durch. Gemeinsam leiteten sie viele Jahre die Geschäfte der Europäischen Gesellschaft für Diabetesforschung und der europäischen Diabetesstiftung. Seit dem Ruhestand von Dr. Jörgens 2015 ist Dr. Grüßer alleinige Geschäftsführerin.

Dr. med. Monika Grüßer
Dr. med. Viktor Jörgens

Die Autoren stehen gerne für Rückfragen oder Verbesserungsvorschläge zur Verfügung:
Dr-Viktor-Jörgens(at)t-online.de